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Die Bücherdiebin

23. Januar 2010

Die BücherdiebinMarkus Zusak erzählt in “Bücherdiebin” von Liesel Memingers Kindheit und Jugend im Dritten Reich. Er tut das mit viel Liebe zum Detail, vor allem mit so viel Liebe zu seinen Charakteren, dass man sich der Geschichte und ihren dramatischen Wendungen nur schwer entziehen kann.

Aber gerade, was das Buch einmalig machen soll, ist leider sein zweitgrößtes Problem: der auktoriale Ich-Erzähler ist der Tod höchstpersönlich. Was mir als Freund von Pratchetts “Scheibenwelt” und Neil Gaimans “Sandman” durchaus gefallen könnte, entpuppt sich hier als störend, weil Zusaks Tod humaner ist, als die meisten Menschen um ihn herum. Der Tod sollte sich dem Leser nicht seitenlang erklären. Er sollte nicht über seine Arbeit jammern. Der Tod sollte den Leser nicht um Verzeihung bitten. Das ist einfach falsch.

Das größere Problem ist aber, dass die “Bücherdiebin” explizit als Jugendbuch geschrieben wurde. In seinem Bestreben, die Sprache einfach zu halten und komplexere Wendungen vom Ich-Erzähler im Detail erläutern zu lassen, hat Zusak für meinen Geschmack klar übertrieben.

Gegen Ende des Buches beginnt Liesel Meminger, ihre Lebensgeschichte unter dem Titel “Die Bücherdiebin” niederzuschreiben. Das Büchlein geht verloren, niemand außer ihr selbst wird es jemals lesen. Zusaks Buch enthält Ausschnitte davon; sie gehören zu den besten Passagen des Buches. Liesel ist wunderbar, ihre Geschichte lesenswert, aber ich hätte lieber Memingers als Zusaks “Bücherdiebin” gelesen. Diesen ganzen Quatsch mit dem personifizierten Tod hat die Geschichte gar nicht nötig.

Halloween

1. November 2008

Menschen bei Nacht

Die Nächte sind nicht für die Menge gemacht.
Von deinem Nachbar trennt dich die Nacht
und du sollst ihn nicht suchen trotzdem.
Und machst du nachts deine Stube licht,
um Menschen zu schauen ins Angesicht,
so mußt du bedenken: wem.

Die Menschen sind furchtbar vom Licht entstellt,
das von ihren Gesichtern träuft,
und haben sie nachts sich zusammengesellt,
so schaust du eine wankende Welt
durcheinandergehäuft.
Auf ihren Stirnen hat gelber Schein
alle Gedanken verdrängt,
in ihren Blicken flackert der Wein,
an ihren Händen hängt
die schwere Gebärde, mit der sie sich
bei ihren Gesprächen verstehn;
und dabei sagen sie: Ich und Ich
und meinen: Irgendwen.

Rainer Maria Rilke

Die Relevanz des Blickwinkels

22. Oktober 2008

“Als letzte, äußerste Barriere erweist sich die eigene Perspektive.”
Terry Pratchett, “Die dunkle Seite der Sonne”

Six Word Memoirs

30. September 2008

Ist wie PostSecret, nur ohne Bilder.