Archiv für die ‘Musik’-Kategorie

Losgelöster Soundtrack

19. November 2008

Ich bin Soundtrack-Fetischist. Packst Du in eine Videospiel-Collector’s-Edition den Soundtrack zum Spiel, kannst Du normalerweise sicher sein, dass ich um jeden Preis die große Box kaufe, auch wenn mich der Rest der Extras einen Dreck interessiert – weil billige Plastikfiguren und schlecht gedruckte Landkarten ja auch schlicht Dreck sind.

Trotzdem besitze ich nur die Standardbox von Wrath of the Lich King. Der Grund? Ich kaufe relativ häufig im iTunes Music Store ein. Offenbar im Gegensatz zu einem Großteil der WoW-Spieler, die noch immer der festen Überzeugung sind, die Soundtrack-CD gäbe es nur in der Collector’s Edition und die deshalb auch oft genug zur großen Packung greifen. Stimmt aber nicht!

Video Games Live

21. August 2008

Video Games LiveAls wir bei lauwarmem Bier aus Plastikbechern in der Konzertpause der gestrigen Aufführung von Video Games Live das bisher Gehörte Revue passieren ließen, gingen die Meinungen weit auseinander. Andreas, dem die bisherigen Eröffnungskonzerte im Gewandhaus immer etwas zu dröge waren, hatte an dem seiner Meinung nach zielgruppengerechteren VGL weit mehr Spaß. Robert wunderte sich über den blechernen Sound, Mo nahm verblüfft zur Kenntnis, dass das Publikum die gar nicht persönlich anwesenden, sondern nur per Video eingeblendeten Komponisten beklatschte und selbst den Werbebotschaften eines bekannten Mäusezüchters enthusiastischen Beifall spendete und ich, tja, ich wußte eigentlich überhaupt nicht, was ich von der Veranstaltung halten sollte. Wußte ich auch anderthalb Stunden später noch nicht, als wir uns nach einem langen Konzertabend ins Leipziger Nachtleben stürzten. Video Games Live war anders, als ich erwartet hatte. Nicht unbedingt besser, aber anders. (weiterlesen …)

Kleingeldprinzessin

20. Mai 2008

dota.pngGegen Ende des letzten Monats mussten wir anlässlich des Tages des Geistigen Eigentums diesen unsäglichen offenen Brief “teilweise prominenter Künstler” ertragen, der mit folgenden Sätzen schloss:

Denn während etablierte Künstler noch von der Erfolgen der Vergangenheit zehren können, trifft die Internetpiraterie vor allem junge Nachwuchstalente. Langfristig wird so die kulturelle und kreative Vielfalt in unserem Land abnehmen und wir verspielen eine unserer wichtigsten Zukunftsressourcen.

Witzigerweise wurde genau einen Tag zuvor im Fudder in Freiburg ein Interview mit Dorothea Kehr veröffentlicht. Die Kleingeldprinzessin und ihre Stadtpiraten-Band, deren CDs ohne Beihilfe der Musikindustrie ausschließlich im eigenen Verlag erscheinen, lassen sich mit Leichtigkeit unter “junge Nachwuchstalente” und “kulturelle und kreative Vielfalt” einordnen. Anlässlich ihrer neu erschienenen CD In anderen Räumen ließen sich piraterieorientierte Fragen nicht völlig vermeiden.

Du verlegst dich selbst...

…ja, alles im eigenen Verlag.

…und ich meine gelesen zu haben, dass es dich nicht stört, wenn Leute deine CDs brennen. Stimmt das?

Ich habe ein etwas schizophrenes Verhältnis dazu. Bei den alten Platten stört es mich nicht, denn ich bin froh, wenn die Musik gehört wird. Man merkt das auch bei Konzerten. In Städten, wo wir noch nie gespielt haben, kommen erstaunlich viele Menschen, die offensichtlich die CDs schon kannten. Die werden sie nicht alle im Versandhandel bestellt haben. Bei der neuen CD habe ich aber immer Angst und will überhaupt nicht, dass die Leute das brennen, weil ich alles selbst finanziere. Bevor sich die Kosten nicht wieder eingespielt haben und ich die Möglichkeit habe, eine neue CD zu machen, hoffe ich immer, dass sie nicht im Internet auftaucht.

Natürlich kaufen auch viele Leute die CDs. Ich denke, es trägt auch dazu bei, dass die Leute wissen, dass ich nicht ein riesiges Label im Rücken habe und die ganze Musikindustrie dranhängt. Das wollen viele unterstützen. Bis jetzt funktioniert das, und wenn die Leute CDs brennen, dann ist das auch okay. Ich brenne für Freunde nur CDs, die mir gefallen. Ich empfinde das auch als Ehre.

Ich empfinde es als Ehre, Musik, die mir gefällt, weiterzuempfehlen. In anderen Räumen kenne ich noch nicht, aber das etwas ältere Live-Album Taschentöne ist genau mein Ding. Musikbeispiele gibts auf der Prinzessin MySpace-Seite.

Wir armen Künstler

25. April 2008

Oh Gott, inzwischen gibt es Tage für alles! Sogar einen Tag des Geistigen Eigentums. Der ist morgen und vermutlich der erste Tag für etwas, das es gar nicht gibt. Seine Daseinsberechtigung ist es, Anlass zu geben für Werbekampagnen wie den heute erschienenden offenen Brief von zweihundert “teilweise prominenten Künstlern” (herrlich: heise.de) an die Bundeskanzlerin. Der Brief ist Blödsinn vom ersten bis zum letzten Satz, ein Armutszeugnis für die Unterzeichnenden. Mich enttäuschen in der langen Liste speziell Wolfgang Rihm und Thomas Quasthoff.

Den am fettesten gedruckten Satz aus der Anzeige hier noch einmal zum LangsamaufderZungezergehenlassen:

Dahinter verbirgt sich die Erkenntnis, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft schon heute und vor allem in Zukunft Motor für Wachstum und Wohlstand ist.

Eines der Kernelemente unserer Gesellschaft, dass wir den Wert von Dingen nur noch am Zahlenwert vor dem Eurozeichen festmachen? Dass selbst Kultur heute Wirtschaft sein muss, um ernstgenommen zu werden? Den Satz “Musik ist Motor für Wachstum und Wohlstand” werde ich wohl trotzdem nicht oben in den Zitatemixer einfügen.

Erinnerungsstücke

21. Februar 2008

In Geigenkästen befinden sich gemeinhin nicht nur Geigen und Geigenbögen, sondern des öfteren auch das eine oder andere Erinnerungsstück. Fotos von der Familie, von den Kindern, Postkarten mit kitschigen Motiven von Orten, die man nie gesehen hat, weil man in der jeweiligen Stadt nur zwischen Konzerthalle und Hotel gependelt ist. Manchmal finden auch Zeitungsausschnitte ihren Weg in den privaten Schrein. Ein solches Schmuckstück strahlte mich nun Anfang der Woche aus einem Kasten an:

Streichen gilt als Schönheitsreparatur, lautete die Überschrift.

Orchestermusiker entdecken Weblogs

13. Februar 2008

“Das Orchester” ist eine Zeitschrift für Orchesterkultur, die man als Musiker und Gewerkschaftsmitglied quasi automatisch bezieht, die wegen der Stellenanzeigen überwiegend von Musikstudenten konsumiert wird und die praktisch alles enthält, was für Orchestermusiker irgendwie von Interesse sein könnte. Von Interesse sind seit der aktuellen Ausgabe auch Weblogs.

Wie kommts? Durch das Blog Orchestermusikerin – Über das Leben mit der brotlosen Kunst… , in dem eine Trompeterin seit etwa einem Jahr über ihr Leben im Orchestergraben berichtet. Gretchens humorvoll geschriebene Berichte lese ich schon seit geraumer Zeit sehr gerne, denn irgendwie enthalten sie immer einen wahren Kern, auch wenn sie teilweise fiktional oder zumindest geschickt ausgeschmückt sind. So wie ich meinen Berufsstand kenne, sind wahrscheinlich gerade die beklopptesten Geschichten diejenigen, die sich tatsächlich so zugetragen haben.

Ein bisschen neidisch bin ich zugegebenermaßen, tut Gretchen in ihrem Blog doch gerade das, was ich hier im Bass-Blog auch gerne tun würde. Nur ist “Gretchen” eben ein Pseudonym. Wer weiß, in welchem Orchester sie tatsächlich spielt und welche ihrer Geschichten stimmen und welche nicht? Würde ich in größerem Stile Anekdoten aus meinem Berufsleben berichten, wäre erstens sowieso immer klar, dass sie aus dem Gewandhausorchester stammen, und anhand unserer Spielpläne und zeitlicher Zusammenhänge könnte man allzu oft als Besucher auch rekonstruieren, über welchen Dirigenten, Solisten oder Komponisten gerade gelästert wird. Nicht gut. Dabei pflegt das Gewandhausorchester durchaus einen eigenen, rauen und etwas bissigen Humor, der manchmal der Konservierung wert wäre. Wenn mal wieder über einen altersschwachen Dirigenten Kommentare der Marke “Der hat Stonehenge noch ohne Steine gesehen” fallen, wird das aber auch in Zukunft wohl eher nicht hier zu lesen sein. Es sei denn, jemandem von euch fällt eine elegante Lösung für dieses Dilemma ein.

Wie dem auch sei, Rüdiger Behschmitts kompletten Bericht unter dem Titel Orchestermusiker? – LOL! gibts auch online.

Best of

19. Januar 2008

New SoulNur kurz für den Eigenbedarf festgehalten: Das Beste am MacBook Air ist die musikalische Untermalung der Werbekampagne! Yael Naïms Gute-Laune-Song New Soul. So ein simples Liedchen, aber trotzdem könnte ich es unentwegt rauf- und runterhören. Mit dem Rest des schlicht Yael Naïm genannten Albums versuche ich derzeit warmzuwerden, bisher aber ohne großen Erfolg.

Um ihrer selbst willen

3. Januar 2008

Wehmütig denke ich aber schon heute an die Zeiten zurück, als man in Leipzig Spielemusik noch zutraute, einen Abend lang auch losgelöst von ihren Spielen, auf sich allein gestellt überzeugen zu können. Und als man seinem Publikum noch zutraute, diese Musik um ihrer selbst willen wertschätzen zu können.

(komplett bei d-frag.de oder gamestar.de. Mein Gott, bin ich inkonsequent.)

Frisches Harz

27. Dezember 2007

Pops Bass Rosin

Eigentlich ist die Sache ja ganz einfach: Wenn du ein Streichinstrument spielst, seifst du die Pferdehaare an deinem Bogen regelmäßig mit Baumharz (so-called Kolophonium) ein, damit die Bogenhaare beim Spielen nicht tonlos über die Saiten flutschen, sondern leicht kleben und die Saiten deines Instruments in Schwingungen versetzen können.

In der Praxis wird es natürlich etwas komplizierter. Das bei uns gerne verwendete Pops Bass Rosin ist eine sehr weiche Variante des Kolophoniums, die hervorragend greift, solange sie frisch ist, aber relativ schnell austrocknet, spröde wird und ihre sehr guten Klangeigenschaften Stück für Stück verliert. Problematisch ist das deshalb, weil man bei Pops seit einigen Jahren das Abfülldatum nicht mehr auf die Packungen stempelt. Was hier in Deutschland im Musikalienhandel herumsteht, kann durchaus Monate bis Jahre alt sein.

Um an Portionen zu kommen, die nach Möglichkeit nur einige Wochen alt sind, bezieht man seine “Talentschmiere” also am besten direkt dort, wo sie hergestellt wird. Was für unsere Bassgruppe heute hieß:

Wir haben Post aus Texas!

Das dort oben auf dem Foto ist mein Cake fürs neue Jahr und wird direkt mit Beethovens neunter Sinfonie eingeweiht. Dabei war das Cake von 2007 noch nicht mal zur Hälfte aufgebraucht.

Westenra in Endless Ocean

18. Dezember 2007

Hayley WestenraDie geballte Inkompetenz der vereinigten Videospielpresse ist mal wieder nur schwer zu ertragen. Diesmal geht es um die Musik in Nintendos Tauchsimulation Endless Ocean. Manche finden sie zuckersüß und kitschig, anderen gefällt sie ausgezeichnet, Grundtenor ist aber immer: »klingt wie Enya«. Ah ja. Warum wird kaum irgendwo erwähnt, um wessen Musik es sich wirklich handelt?

Die Songs in Endless Ocean stammen von der neuseeländischen Sopranistin Hayley Westenra. Ganz konkret handelt es sich um Titel aus Pure, Treasure und Odyssey (enthält »Prayer«, den Titelsong des Spiels).