Gegen Ende des letzten Monats mussten wir anlässlich des Tages des Geistigen Eigentums diesen unsäglichen offenen Brief “teilweise prominenter Künstler” ertragen, der mit folgenden Sätzen schloss:
Denn während etablierte Künstler noch von der Erfolgen der Vergangenheit zehren können, trifft die Internetpiraterie vor allem junge Nachwuchstalente. Langfristig wird so die kulturelle und kreative Vielfalt in unserem Land abnehmen und wir verspielen eine unserer wichtigsten Zukunftsressourcen.
Witzigerweise wurde genau einen Tag zuvor im Fudder in Freiburg ein Interview mit Dorothea Kehr veröffentlicht. Die Kleingeldprinzessin und ihre Stadtpiraten-Band, deren CDs ohne Beihilfe der Musikindustrie ausschließlich im eigenen Verlag erscheinen, lassen sich mit Leichtigkeit unter “junge Nachwuchstalente” und “kulturelle und kreative Vielfalt” einordnen. Anlässlich ihrer neu erschienenen CD In anderen Räumen ließen sich piraterieorientierte Fragen nicht völlig vermeiden.
Du verlegst dich selbst...
…ja, alles im eigenen Verlag.
…und ich meine gelesen zu haben, dass es dich nicht stört, wenn Leute deine CDs brennen. Stimmt das?
Ich habe ein etwas schizophrenes Verhältnis dazu. Bei den alten Platten stört es mich nicht, denn ich bin froh, wenn die Musik gehört wird. Man merkt das auch bei Konzerten. In Städten, wo wir noch nie gespielt haben, kommen erstaunlich viele Menschen, die offensichtlich die CDs schon kannten. Die werden sie nicht alle im Versandhandel bestellt haben. Bei der neuen CD habe ich aber immer Angst und will überhaupt nicht, dass die Leute das brennen, weil ich alles selbst finanziere. Bevor sich die Kosten nicht wieder eingespielt haben und ich die Möglichkeit habe, eine neue CD zu machen, hoffe ich immer, dass sie nicht im Internet auftaucht.
Natürlich kaufen auch viele Leute die CDs. Ich denke, es trägt auch dazu bei, dass die Leute wissen, dass ich nicht ein riesiges Label im Rücken habe und die ganze Musikindustrie dranhängt. Das wollen viele unterstützen. Bis jetzt funktioniert das, und wenn die Leute CDs brennen, dann ist das auch okay. Ich brenne für Freunde nur CDs, die mir gefallen. Ich empfinde das auch als Ehre.
Ich empfinde es als Ehre, Musik, die mir gefällt, weiterzuempfehlen. In anderen Räumen kenne ich noch nicht, aber das etwas ältere Live-Album Taschentöne ist genau mein Ding. Musikbeispiele gibts auf der Prinzessin MySpace-Seite.