Archiv für die ‘Musik’-Kategorie

Losgelöster Soundtrack

19. November 2008

Ich bin Soundtrack-Fetischist. Packst Du in eine Videospiel-Collector’s-Edition den Soundtrack zum Spiel, kannst Du normalerweise sicher sein, dass ich um jeden Preis die große Box kaufe, auch wenn mich der Rest der Extras einen Dreck interessiert – weil billige Plastikfiguren und schlecht gedruckte Landkarten ja auch schlicht Dreck sind.

Trotzdem besitze ich nur die Standardbox von Wrath of the Lich King. Der Grund? Ich kaufe relativ häufig im iTunes Music Store ein. Offenbar im Gegensatz zu einem Großteil der WoW-Spieler, die noch immer der festen Überzeugung sind, die Soundtrack-CD gäbe es nur in der Collector’s Edition und die deshalb auch oft genug zur großen Packung greifen. Stimmt aber nicht!

Mögen Sie Brahms?

14. Oktober 2008

“Dieses Stück braucht Wärme! Bei euch klingt das so kalt, als hättet ihr in eurem Leben noch nie geliebt!”

Kurt Masur.

Der Altmeister ist in Leipzig, mit Brahms’ Zweiter Sinfonie, Tschaikowskys Klavierkonzert in b-moll und Schumanns Genoveva-Ouvertüre. Auf der Suche nach seinem Gewandhausklang. Die drei Konzerte am Wochenende sind seit langem ausverkauft, und dass sie nichts weniger als fantastisch werden können, das ist nach der ersten Probe am heutigen Morgen schon klar.

Und wenn ich sonst nichts lieben würde – ich liebe dieses Orchester.

Beethoven als Statistik

3. Oktober 2008

Blomstedt: 55 Minuten

Masur: 51 Minuten

Chailly: 45 Minuten

WTF!

Distler in Merseburg

12. September 2008

MerseburgNur so nebenbei und für den unwahrscheinlichen Fall, dass einer von euch am nächsten Montag im schönen Merseburg weilen sollte: dort finden gerade die 38. Merseburger Orgeltage statt und im Rahmen des Großen Abendkonzertes im Dom spielt das Neue Bachische Collegium Musicum unter anderem das dritte Brandenburgische Konzert von J. S. Bach und das Konzert für Cembalo und Streichorchester von Hugo Distler. Da Streichorchester laut Patrick Süßkind überhaupt erst anfängt, sobald ein Kontrabass dabei ist, braucht man natürlich auch Kontrabassisten, in diesem Falle Karsten Heins – seit August im Gewandhausorchester – und mich.

Video Games Live

21. August 2008

Video Games LiveAls wir bei lauwarmem Bier aus Plastikbechern in der Konzertpause der gestrigen Aufführung von Video Games Live das bisher Gehörte Revue passieren ließen, gingen die Meinungen weit auseinander. Andreas, dem die bisherigen Eröffnungskonzerte im Gewandhaus immer etwas zu dröge waren, hatte an dem seiner Meinung nach zielgruppengerechteren VGL weit mehr Spaß. Robert wunderte sich über den blechernen Sound, Mo nahm verblüfft zur Kenntnis, dass das Publikum die gar nicht persönlich anwesenden, sondern nur per Video eingeblendeten Komponisten beklatschte und selbst den Werbebotschaften eines bekannten Mäusezüchters enthusiastischen Beifall spendete und ich, tja, ich wußte eigentlich überhaupt nicht, was ich von der Veranstaltung halten sollte. Wußte ich auch anderthalb Stunden später noch nicht, als wir uns nach einem langen Konzertabend ins Leipziger Nachtleben stürzten. Video Games Live war anders, als ich erwartet hatte. Nicht unbedingt besser, aber anders. (weiterlesen…)

Wii Music

17. Juli 2008

Ich kann ja verstehen, dass rockgestählte Gitarrenhelden Nintendos Ankündigung von Wii Music bestenfalls zum Gähnen finden. Aber es soll noch Leute auf der Welt geben, die Klassik mögen. Und für die die Idee, mit der Wiimote herumfuchtelnd ein virtuelles Orchester zu dirigieren, wirklich nach Spaß klingt. Ja, es gibt Leute, die haben diese offizielle Ankündigung herbeigesehnt seit dem Moment, als Nintendo bei den ersten Präsentationen der Wii eine kleine Dirigierdemo zeigte, um die Möglichkeiten der Wiimote vorzuführen. Zumindest hoffe ich, dass es noch anderen so geht…

Werbung, nichts als Werbung

20. Juni 2008

Nach dem Bekenntnis eines Orchestermusikers im Film Trip to Asia und dem daraus resultierenden Interesse verschiedener Medien für Alkoholmissbrauch in Kulturorchestern und dem klassischen Konzertbetrieb mag es vielleicht etwas unklug erscheinen, einen Artikel über Audience Development am Beispiel der Radeberger-Brauerei in der Juni-Ausgabe von Das Orchester ausgerechnet folgendermaßen zu betiteln:

Oper und Bier
Zukunftsstrategie für Kulturbetriebe

Andererseits sorgte es aber auch für viel Heiterkeit bei den Kollegen.

Kleingeldprinzessin

20. Mai 2008

dota.pngGegen Ende des letzten Monats mussten wir anlässlich des Tages des Geistigen Eigentums diesen unsäglichen offenen Brief “teilweise prominenter Künstler” ertragen, der mit folgenden Sätzen schloss:

Denn während etablierte Künstler noch von der Erfolgen der Vergangenheit zehren können, trifft die Internetpiraterie vor allem junge Nachwuchstalente. Langfristig wird so die kulturelle und kreative Vielfalt in unserem Land abnehmen und wir verspielen eine unserer wichtigsten Zukunftsressourcen.

Witzigerweise wurde genau einen Tag zuvor im Fudder in Freiburg ein Interview mit Dorothea Kehr veröffentlicht. Die Kleingeldprinzessin und ihre Stadtpiraten-Band, deren CDs ohne Beihilfe der Musikindustrie ausschließlich im eigenen Verlag erscheinen, lassen sich mit Leichtigkeit unter “junge Nachwuchstalente” und “kulturelle und kreative Vielfalt” einordnen. Anlässlich ihrer neu erschienenen CD In anderen Räumen ließen sich piraterieorientierte Fragen nicht völlig vermeiden.

Du verlegst dich selbst...

…ja, alles im eigenen Verlag.

…und ich meine gelesen zu haben, dass es dich nicht stört, wenn Leute deine CDs brennen. Stimmt das?

Ich habe ein etwas schizophrenes Verhältnis dazu. Bei den alten Platten stört es mich nicht, denn ich bin froh, wenn die Musik gehört wird. Man merkt das auch bei Konzerten. In Städten, wo wir noch nie gespielt haben, kommen erstaunlich viele Menschen, die offensichtlich die CDs schon kannten. Die werden sie nicht alle im Versandhandel bestellt haben. Bei der neuen CD habe ich aber immer Angst und will überhaupt nicht, dass die Leute das brennen, weil ich alles selbst finanziere. Bevor sich die Kosten nicht wieder eingespielt haben und ich die Möglichkeit habe, eine neue CD zu machen, hoffe ich immer, dass sie nicht im Internet auftaucht.

Natürlich kaufen auch viele Leute die CDs. Ich denke, es trägt auch dazu bei, dass die Leute wissen, dass ich nicht ein riesiges Label im Rücken habe und die ganze Musikindustrie dranhängt. Das wollen viele unterstützen. Bis jetzt funktioniert das, und wenn die Leute CDs brennen, dann ist das auch okay. Ich brenne für Freunde nur CDs, die mir gefallen. Ich empfinde das auch als Ehre.

Ich empfinde es als Ehre, Musik, die mir gefällt, weiterzuempfehlen. In anderen Räumen kenne ich noch nicht, aber das etwas ältere Live-Album Taschentöne ist genau mein Ding. Musikbeispiele gibts auf der Prinzessin MySpace-Seite.

MKO

10. Mai 2008

Dirigent: “Okay, beginnen wir bei Ziffer 8, erstmal ohne die hohen Streicher.”

Bratschistin: “Aber mit Bratschen?”

Dirigent: “Nein, erstmal auch ohne Bratschen.”

Cellist: “Mit Celli?”

Dirigent schaut in die Partitur: “Ohne.”

Bassist: “Aber mit… ”

Dirigent: “Okaaay. Ab Ziffer 8. Erstmal bloß Musiker.”

Wir armen Künstler

25. April 2008

Oh Gott, inzwischen gibt es Tage für alles! Sogar einen Tag des Geistigen Eigentums. Der ist morgen und vermutlich der erste Tag für etwas, das es gar nicht gibt. Seine Daseinsberechtigung ist es, Anlass zu geben für Werbekampagnen wie den heute erschienenden offenen Brief von zweihundert “teilweise prominenten Künstlern” (herrlich: heise.de) an die Bundeskanzlerin. Der Brief ist Blödsinn vom ersten bis zum letzten Satz, ein Armutszeugnis für die Unterzeichnenden. Mich enttäuschen in der langen Liste speziell Wolfgang Rihm und Thomas Quasthoff.

Den am fettesten gedruckten Satz aus der Anzeige hier noch einmal zum LangsamaufderZungezergehenlassen:

Dahinter verbirgt sich die Erkenntnis, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft schon heute und vor allem in Zukunft Motor für Wachstum und Wohlstand ist.

Eines der Kernelemente unserer Gesellschaft, dass wir den Wert von Dingen nur noch am Zahlenwert vor dem Eurozeichen festmachen? Dass selbst Kultur heute Wirtschaft sein muss, um ernstgenommen zu werden? Den Satz “Musik ist Motor für Wachstum und Wohlstand” werde ich wohl trotzdem nicht oben in den Zitatemixer einfügen.