Archiv für die ‘Technisches’-Kategorie

Schöngeschwindelt

3. Juli 2010

Ich glaub’s ja nicht! Wer hätte gedacht, dass gerade Apple noch einmal ein so herrlicher PR-Fauxpas unterlaufen könnte wie in diesen Wochen!

Da kommt das iPhone 4 auf den Markt und bietet nach Meinung der meisten Rezensenten bessere Sende- und Empfangsqualität als alle seine Vorgänger. Es sei denn, man berührt beim Telefonieren oder Surfen eine bestimmte Stelle der beim iPhone 4 außen liegenden Antennen, dann kann die Empfangsleistung einbrechen – bei manchen Benutzern von vier bis fünf Balken auf gar keinen Empfang.

Apples offizielle Antwort darauf, nachdem Steve Jobs’ zuerst geäußertes “Just don’t hold it that way” bei den Käufern irgendwie nicht so gut ankam:

We have discovered the cause of this dramatic drop in bars, and it is both simple and surprising.

Upon investigation, we were stunned to find that the formula we use to calculate how many bars of signal strength to display is totally wrong. Our formula, in many instances, mistakenly displays 2 more bars than it should for a given signal strength. For example, we sometimes display 4 bars when we should be displaying as few as 2 bars.

Übersetzung:

Schon seit dem ersten iPhone behaupten unsere Telefone, weit bessere Empfangsleistung zu bringen, als sie es tatsächlich tun. (“An mir kann die schlechte Sprachqualität nicht liegen, ich hab hier fünf  Balken!” – “Echt, dein Nokia zeigt nur zwei Balken? Also mein iPhone hat vollen Empfang!”) Wer hätte ahnen können, dass dieser Trick irgendwann auffällt?

Weil wir unsere Rekordgewinne aber nicht gefährden wollen, liefern wir euch für unser Hardwareproblem eine Softwarelösung, die das Problem kaschiert statt behebt. Um das Problem tatsächlich aus der Welt zu schaffen, verkaufen wir euch für 29$ eine Gummihülle für das iPhone 4, die wir in China für 10 Cent das Stück produzieren lassen.

Funktioniert tatsächlich. Wenn man die Lücke zwischen beiden Antennen unten links dank Plastikhülle nicht mehr direkt mit der Hand berührt, ist der Leistungseinbruch nicht mehr größer als bei anderen Mobiltelefonen auch.

Zuckerbrot und Peitsche

27. Mai 2010

Verstehe einer Nokia. Da war ich gerade auf dem Weg, ein überdurchschnittlich zufriedener Kunde zu werden, der sein N900 – mehr Mobilcomputer als “nur” Smartphone, mit von den Finnen hervorragend gepflegtem Linux, welches Symbian rundweg deklassiert und sich auch hinter Android nicht verstecken muss – innig liebt und der sich über das gestrige Softwareupdate freut, das Videocalls per Skype oder GTalk einführt (innerhalb der normalen Telefonanwendung – ob ich übers Mobilnetz oder über Skype telefoniere, macht von der Bedienung her keinen Unterschied), als Nokia verkündet, dass das Ende des Jahres erscheinende nächste größere Betriebssystem-Update für das N900 offiziell nicht mehr angeboten werden wird.

Das N900 hat einen Listenpreis von fast 600 Euro, ist erst letzten Dezember erschienen und soll in einem halben Jahr schon zum alten Eisen gehören? Haben die Finnen denn immer noch nichts von Apple gelernt? Zwei bis drei Jahre vernünftigen Support sollte man bei einem derart teuren Gerät doch erwarten dürfen. Oder?

Status-Update

6. Januar 2010

Heute mal schnell WordPress 2.9 und ein neues Theme über die alte Installation gebügelt. Grund: Ein neues Handy. Für Nokias N900 gibt’s zu meiner Überraschung mit MaStory einen hübsch anzuschauenden WordPress-Client und ich muss doch wissen, ob der brauchbar ist. Nein, gelogen, muss ich nicht: für das letzte Jahr haben’s kurze Statusmeldungen bei Facebook schließlich auch getan. Mein Bedürfnis, mich online mitzuteilen, war auch schon mal größer. Nachteil der Update-Aktion: Bens schönes Semantic-Weblog-Modul will nicht mehr. Es ist still gestorben, ohne Fehlermeldungen, aber eben auch ohne wie bisher Film-, Videospiel-, und Bücherlisten auf den Archivseiten auszugeben. Schade.

Einfache Erweiterung

9. November 2008

Mac OS XWenn man seinen Mac schon eine Weile besitzt, sind Aha-Erlebnisse irgendwann nicht mehr unbedingt an der Tagesordnung. Man gewöhnt sich so herrlich schnell an Dinge, die “einfach funktionieren”. Heute war es doch mal wieder so weit. Die 80-Gigabyte-Festplatte meines MacBooks platzte aus allen Nähten und schrie nach Ablösung.

Kurz das Time-Machine-Backup aktualisieren, mit wenigen Handgriffen die alte Platte gegen ein 320-Gigabyte-Modell austauschen, Notebook von der Leopard-CD starten und den gesamten Laufwerksinhalt von Time Machine wiederherstellen lassen. In etwas über einer Stunde problemlos erledigt. Beim nächsten Systemstart tat das MacBook dann so, als hätte es nie irgendetwas anderes als die 320er-Platte eingebaut gehabt. Angenehmer Nebeneffekt: die neue Festplatte ist nicht nur größer, sondern auch deutlich schneller. Mich wundert das etwas, weil ich nur zur Western Digital Scorpio mit 5400 Umdrehungen gegriffen habe und nicht zur Scorpio Black, die mit 7200 Umdrehungen brummkreiselt. Wie kann die alte Platte noch langsamer gewesen sein? Sie war es jedenfalls, der Unterschied ist gewaltig.

Um abschließend der Gerechtigkeit Genüge zu tun: Windows Vista bringt solche Umzüge dank Complete-PC-Backup ähnlich problemlos über die Bühne, und tat das auch schon, bevor Apple mit großem Tamtam die Time Machine einführte. “Complete PC” klingt nur nicht so sexy wie “Time Machine” und hat außerdem nicht diese hübschen Sternenflug-Effekte, während man durch die Vergangenheit seiner Festplatte surft.

Die nächste Generation von Notebooks?

14. Oktober 2008

Das Positivste an Apples heute vorgestellter neuer Notebooklinie: Ich spare einen Haufen Geld. Denn irgendeinen vernünftigen Grund, demnächst auf ein neues MacBook umzusteigen, gibt es nicht. Nicht nur hat Apple den Netbook-Trend komplett verschlafen, obwohl die PowerBook-Nutzer seit Jahren nach Notebooks mit einer kleineren Bildschirmgröße als 13 Zoll schreien, nicht nur hat man den für mich wegen des Camcorders leider unverzichtbaren Firewire-Port gestrichen – die neuen Alubrocken sehen schlicht beschissen aus.

Anrufbefürworter

13. Juli 2008

Gerade nach Hause gekommen und feststellen müssen, dass Mr. oder Mrs. “Unbekannte Nummer” mich dringend hat erreichen wollen: Das Festnetztelefon zählt diverse verpasste Anrufe und das Handy ist vor lauter Vibrationsalarm über den gesamten Wohnzimmertisch gehüpft und schließlich auf den Boden gefallen.

Wichtigste Erkenntnis: Der Tisch steht offenbar schief.

Ansonsten Verwirrung. Bei über zehn Anrufen könnte man auf den Gedanken kommen, dem Anrufer oder der Anruferin sei sein/ihr Anliegen irgendwie wichtig. Dem entgegen steht die Tatsache, dass er oder sie es zwar geschafft hat, die eigene Rufnummer zu unterdrücken,  aber zu blöde war, auf irgendeinen der Anrufbeantworter zu sprechen. Schade, denn ich hätte gerne zurückgerufen. Ein bisschen neugierig bin ich jetzt ja schon.

Sag mir, wer du bist

18. Mai 2008

Nur ein kleiner Absatz in Fabers aktuellem Wochenrückblick, der mich aber nachhaltig erschreckte: Die Schülertickets in Köln enthalten RFID-Chips?

Neugierigen Schülern zeigte eine Fahrkartenkontrolleurin, wie toll und einfach das kontaktlose Auslesen der Karte nunmehr funktioniert, wenn Name, Geburtsdatum, Adresse und die besuchte Schule auf dem Display auftauchen.

Und das, nachdem man bei den Kölner Verkehrsbetrieben erst abstritt, solche Funkchips zu verwenden. Nun erklärt man immerhin, die Chips wären hochsicher und nur über eine Distanz von maximal zwanzig Zentimetern auszulesen. Das ist total beruhigend, weil es natürlich völlig unmöglich ist, in überfüllten Bussen bis auf zwanzig Zentimeter an die Brieftasche eines Schülers heranzukommen.

Unfassbar, dass es rein nach Gesetz offenbar in Ordnung geht, Chips in seine Tickets zu integrieren, die munter persönliche Daten durch die Gegend funken, ohne dass man seine Kunden auf diesen Umstand hinweisen müsste. Unser aller Innenminister ist vermutlich zu sehr mit der Einrichtung seiner neuen Bundesabhörzentrale beschäftigt, damit er alle durch die wachsenden technischen Möglichkeiten verfügbaren Informationen auch sicher bekommt, als dass er sich darum kümmern könnte, dass die wachsenden technischen Möglichkeiten nicht immer größere Löcher in die Überreste dessen reißen, was einmal Datenschutz und Privatsphäre gewesen.

Moto U9

23. April 2008

Unfassbar. Von WLAN, Skype und UKW-Radio über Terminkalender, E-Mail-Clients und MP3-Player bis hin zu GPS und Foto- und Videofunktionen quetscht man heute alles in Handys. Aber selbst wenn man sich für eine Neuanschaffung entscheidet, die immer noch primär Tele- und nicht Smartphone ist, kann man sich offenbar nicht mehr darauf verlassen, dass gerade die grundlegendsten Telefonfunktionen, die eigentlich sämtliche Hersteller seit vielen Gerätegenerationen beherrschen sollten, ohne Macken funktionieren.

Auf die kurze Frage nach der Telefonnummer einer Bekannten schickte mir ein Freund vor ein paar Tagen die Kontaktdaten als nokiatypische Visitenkarte per SMS. Mein neues Motorola-Telefon kann mit diesen Visitenkarten nichts anfangen. Ist an sich ja nicht schlimm, hätte das Motorola die Message einfach ignoriert oder irgend eine Art von Fehlermeldung ausgegeben. Hat es aber nicht. Es holte einfach überhaupt keine SMS mehr ab, also auch keine der Kurzmitteilungen, die anschließend noch hätten bei mir eingehen sollen. Einzige Möglichkeit, den Datenstau aufzulösen: Das Einlegen der SIM-Karte in mein altes Nokia-Telefon, um die Visitenkarte dort in Empfang zu nehmen.

Da mag das U9 ansonsten das tollste Handy sein, das ich je hatte – dass sich der SMS-Empfang so einfach komplett aushebeln lässt, hinterlässt ein ungutes Gefühl. Hätte mich doch gleich misstrauisch machen sollen, dass das Ding so heißt wie Berlins schlimmste U-Bahn-Linie.

Semantic Weblog

8. März 2008

Adobe Photoshop LightroomWenn Ben drüben bei Anmut und Demut erklärt, wie das Semantic Weblog funktioniert, wird mir schwindlig. Topic Maps, Occurrences, Associations, Ontologien, wow! Trotzdem habe ich das Gefühl, dass die ganze Thematik abseits der Fachbegriffe so kompliziert vielleicht gar nicht ist. Um einen Gedanken dazu in den Raum zu werfen:

Das Semantic Weblog ist die Bibliothek in Adobes Photoshop Lightroom, nur für Blogpostings anstatt Bildern. (weiterlesen …)

Eine Bank und ein Hundehaufen

6. Februar 2008

Wer regelmäßig bei heise.de vorbeiliest, kennt die Geschichte wahrscheinlich schon: Mitte Dezember besuchte Eva Herre mit ihrer dreijährigen Tochter eine Filiale der Stuttgarter Volksbank, um Geld abzuheben. Beim Verlassen der Bank bemerkte sie laut Stuttgarter Zeitung, dass ihre Tochter offenbar “ins Glück” getreten war und entsprechende Fußspuren in der Bank hinterlassen hatte. Wegen eines Arzttermines unter Zeitdruck, verließ die Mutter die Filiale, ohne an einem der Bankschalter auf die Verschmutzung hinzuweisen, denn “meine Tochter wäre mir mit Sicherheit hinterhergelaufen und hätte auch noch Abdrücke auf dem Teppich hinterlassen.”

So weit, so gewöhnlich. Unglaublich ist erst, was daraufhin bei der Bank passiert: Man greift auf die Videoaufzeichnungen der Sicherheitskameras – die eigentlich ausschließlich zur Verfolgung von Straftaten dienen sollten – zurück und ermittelt anhand der Aufzeichnungen des Geldautomaten und der eigenen Kundendaten Name und Anschrift der Kundin. Anschließend sendet man ihr eine Rechnung in Höhe von 52,96 Euro über “eine Stunde Arbeitszeit Meister/Obermonteur” zur Beseitigung “einer fäkalen Verunreinigung”. Eine Reinigungskraft, die zur Beseitigung dieses kleinen Maleurs eine geschlagene Stunde benötigt, halte ich mit 52,96 Euro ja für etwas überbezahlt. Gerechtfertigt wird der ganze Aufwand mit der Erklärung, es handele sich um Sachbeschädigung. Es sei keineswegs Hundekot von außen hereingetragen worden, sondern es gehe um eine “massive Verunreinigung durch das Kind”. Das sei auf den Videoaufzeichnungen klar zu erkennen und die Mutter hätte auch bemerkt, dass sich das Kind erleichtert habe.

Die Bank sieht in ihrem Verfahren “grundsätzlich kein Problem”, wohl aber die Baden-Württembergische Aufsichtsbehörde für Datenschutz, die “die Praxis der Bank” nun “grundsätzlich überprüfen” will. Bei mir wandert der Fall wohl in die Lesezeichen, als schönes Ansichtsexemplar für jene, die auf die immer neuen Totalüberwachungsideen eines Wolfgang Schäuble – gegen die die seit Jahren praktizierte Videoüberwachung in Banken ja geradezu harmlos ist – grundsätzlich mit einem Schulterzucken und dem Spruch “Wir haben ja nichts zu verbergen” reagieren. Sind Datenbestände erst einmal angelegt, können sie auch missbraucht werden.