Der Goldene Kompass
Da ist er also, der Fantasyfilm dieses Winters. Die gute Nachricht zuerst: Es kommen keine Orks, Elfen und Zwerge drin vor. Dafür allerdings ein paar unmotiviert wirkende Hollywood-Stars. Daniel Craig und Eva Green haben glücklicherweise nur Kurzauftritte, Sam Elliott spielt halt wieder den Cowboy und Nicole Kidman versucht, böse zu sein. Würde überzeugender wirken, wäre Michelle Pfeiffer nicht kürzlich in Stardust viel, viel böser gewesen. Dakota Blue Richards, die kleine Hauptdarstellerin, spielt den Rest der Truppe an die Wand.
Auch sonst überzeugt der Film vor allem im Kleinen. Bei weitem am spannendsten fand ich Lyras nächtlichen Einbruch in Mrs. Coulters Büro. Eine Szene, die abgesehen von Lyras Daemon auch aus einem Enid-Blyton-Film hätte stammen können, in all ihrer Spezialeffektlosigkeit. Die Luftschiffe, Hexen, kämpfenden Eisbären und geheimen Forschungsbasen gegen Ende des Films wirken dagegen leblos, steril. Und die Geschichte selbst hält einen auch nicht unbedingt gefangen. Dafür ist der Sieg des Guten von Anfang an zu absehbar. Lyra hat neben Hexen und Eisbären immerhin den goldenen Kompass, das Heer der Gypter und einen Cowboy auf ihrer Seite, wohingehen die bösen Buben nicht viel mehr ins Feld führen können als ihr grimmiges Erscheinungsbild. Die Strolche.
Von dem miesen Cliffhanger mal gar nicht zu reden. Irgendeine Art von Schluss wäre schon schön gewesen.
23. Dezember 2007 um 16:51 Uhr
Hatte Deine Kritik gelesen und fand mich deshalb leicht missgelaunt nach einer Mehrheitsentscheidung in diesem Film. Fand ihn eigentlich noch schlechter als Du. Hab ihn mir auf Deutsch angesehen, kann deshalb nicht genau urteilen, fand aber die Kleine nicht gut. Hingegen fand ich nicht, dass Nicole Kidman eine böse Rolle spielen soll. Wenn sie wirklich die Mutter ist, dann denke ich nicht, dass sie viel böser hätte sein können. Ich frage mich nur, was der ganze Spaß eigentlich soll. Soll das ne Art von Kleruskritik sein? Statt den Apfel kosteten wir vom Staub? Die Sünde ist der jeweilige “Dämon” der sich bei Kindern noch nicht manifestiert hat? Was soll das alles. Was für eine falsche Moral soll das vorgeschoben werden, denn auf der Seite des Magisteriums soll man ja bestimmt nicht sein. Und die Kirchen als Ganzes zu verurteilen steht nun bei aller Aufgeklärtheit doch wirklich keinem zu. Die Dummdreistigkeit der Kleinen Lyra ging mir nach ner Weile echt auf die Nerven. Für mich die absolute Krönung war die Szene, wo sie Ihren Eisbären bekommt. Nach dem Motto: “Ich wär so gern ein Panzerbär, doch hab ich keinen Panzer mehr. Hätt ich meinen Panzer hier, dann tränk ich sicher wen’ger Bier.” …das war ja wohl der Hammer. Alles in allem: Prädikat “Nicht empfehlenswert”.
27. Dezember 2007 um 00:31 Uhr
Nun ja, sie ist die Anführerin der Gobbler. Sie verschifft Kinder in ein Geheimlabor, um an ihnen grausame Experimente durchführen zu lassen. Die Coulter ist böse. Und der innere Konflikt, in den sie stürzt, weil sie diese Grausamkeiten plötzlich der eigenen Tochter antun soll, das aber nicht kann, ist gewaltig. Der zeigt sich bei Kidman eigentlich nur dadurch, dass sie ihrem Affen eine scheuert. Das ist ein bisschen wenig, finde ich…
Ich kenn die literarische Vorlage nicht, kann also auch nur im Nebel stochern. Natürlich ist die Ähnlichkeit von “Staub gibt es nicht” zu “Die Welt ist eine Scheibe” offensichtlich, aber ich denke nicht, dass uns die Existenz von Staub und Daemonen innerhalb von Pullmans Universum wirklich etwas sagen soll – abgesehen davon, dass sie die Wahrheit sind. Dass die Erde rund und keine Scheibe ist, hat ja auch keine tiefergehende philosophische Bedeutung. Es ist einfach nur wahr.
Deshalb glaube ich auch nicht, dass das Magisterium generell Kritik an Religionen sein soll. Vielleicht Kritik an der katholischen Kirche, vielleicht war die Kirche aber auch einfach nur eine gute Vorlage.
Wichtiger ist, dass hier ein Apparat so viel Macht angehäuft hat (Coulter: “Das Magisterium sagt den Menschen, was sie tun sollen.”), dass die Verantwortlichen tatsächlich glauben, die Welt selbst nach ihren Wünschen umgestalten zu können oder zumindest die wahre Natur der Welt vor den Menschen verstecken zu können. Erinnert mich auch an Orwells Wahrheitsministerium in 1984.
2. Januar 2008 um 00:36 Uhr
LEST DIE BÜCHER!!!elf und so weiter …
2. Januar 2008 um 10:35 Uhr
Hab se schon hier, inzwischen. :)
2. Januar 2008 um 16:32 Uhr
Dann viel Spaß, sind grandios und so :)
3. Januar 2008 um 13:00 Uhr
Ich kenn die Bücher und war von dem Film maßlos enttäuscht. Die Literaturvorlage wurde nach belieben zerschnipselt und in neuer Reihenfolge zusammengesetzt, wie es gerade passte.
Davon, dass falsche Charaktere sterben (Billy), wobei davon erzählt der Film ja nix. Das Verhältnis von Menschen und Daemonen wird nur unzureichend erklärt.
Absolut armseelig der Film. Schade, hätte was tolles werden können.