Deutsche Grammophon

Hänsel und GretelIm ersten Moment dachte ich: »Hey, endlich hat es jemand verstanden!« Die Sache mit dem Internet, mit online kaufbarer Musik und dem richtigen Umgang mit den eigenen Kunden. Die Deutsche Grammophon eröffnete vor kurzem einen Online-Shop, der immerhin rund 2.400 Alben klassischer Musik umfasst, herunterladbar zu vergleichsweise günstigen Preisen als MP3 mit einer Bitrate von 320 kBit/s. Völlig ohne jedes Digital Rights Management. Mit der Möglichkeit, gekaufte Titel mehrfach herunterzuladen. Und noch besser: Das Angebot umfasst auch hunderte CDs, die im Handel überhaupt nicht mehr erhältlich sind. Eine wunderbare Möglichkeit, ältere Aufnahmen für Klassikliebhaber auch dann weiter anbieten zu können, wenn sich eine Neuauflage auf CD finanziell nicht lohnen würde.

Gesagt, gekauft. Und zwar, passend zur Weihnachtszeit, Humperdincks Hänsel und Gretel, in einer Aufnahme der Münchner Philharmoniker von 1953. Das heruntergeladene Archiv enthält neben den MP3-Dateien das Booklet im PDF-Format sowie ein hochaufgelöstes Coverbild. Und, das Wichtigste zuerst, die Musik klingt super! Wesentlich besser, als ich von einer so alten und noch dazu komprimierten Aufnahme erwartet hätte. Über iTunes habe ich zwar schon mehrfach Klassik-Alben bezogen, aber im Grunde nur, um die Musik unterwegs auf dem iPod zu hören. Die Qualität der AAC-Enkodierung schwankt gerade bei den weniger populären Alben in Apples Musikshop zu beträchtlich. Bei DG verspricht das anders zu werden.

So weit, so gut. Stark verbesserungsbedürftig bleibt das Angebot dennoch. Gerade HiFi-Enthusiasten werden sich mit verlustbehafteten Formaten wie MP3 schon aus Prinzip nicht abgeben, so weit sollte man seine Kundschaft kennen. Verwirrend ist es auch, als Deutscher von Deutschland aus die Webseite der Deutschen Grammophon anzusteuern und mit einem Angebot konfrontiert zu werden, das komplett in Englisch gehalten ist. Auch ein Weg, Kunden auszuschließen. Zumal die Webseite reichlich unübersichtlich aufgebaut ist. Nicht zuletzt wäre ich, schon rein aus steuerlichen Gründen, unheimlich dankbar, wenn man bei der Deutschen Grammophon in der Lage wäre, auch für online gekaufte Musik vernünftige Rechnungen auszustellen.

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