Ein Musiker also …
Falls man in Berlin jemandem – potenziellen neuen Vermietern beispielsweise – auf die Nase binden muss, dass man Orchestermusiker ist, kann man sich auf einiges gefasst machen. Beispielsweise auf die Nachfrage, was man hauptberuflich mache. Oder ob man Musik wirklich studieren könne. “Nee”, wollte ich dann immer sagen, “eigentlich bin ich Facharzt in der Charité, aber ich fahre jeden Abend in die Deutsche Staatsoper, um dort fünfstündige Wagner-Opern zu spielen.” Tatsächlich gesagt habe ich das nie. Aus Angst, der typische Berliner könnte es mit einem “ach so” abnicken.
In Leipzig ist das anders. Beim letzten potenziell neuen Vermieter folgte auf meine Angabe “Orchestermusiker” direkt die Nachfrage: “Im Gewandhaus?” Ehe ich mich versah, steckte ich mitten in einer Diskussion um Wagners Rienzi, angeblich klappernde Blechbläsereinsätze und die letzten Kritiken der Leipziger Volkszeitung. Klasse war auch der Anruf letzten Donnerstag. Da hatte mir der potenziell neue Vermieter eigentlich gar nichts Neues zur Mietsituation in Leipzig mitzuteilen, sondern wollte nur mal fragen, ob sich der Besuch des Konzertes am Freitag lohnen würde.
Nur eine Sorge verbindet sie alle, neue wie alte Vermieter:
“Haben Sie vor, in der Wohnung auch zu üben?”
5. Dezember 2007 um 23:35 Uhr
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