Wir armen Künstler
Oh Gott, inzwischen gibt es Tage für alles! Sogar einen Tag des Geistigen Eigentums. Der ist morgen und vermutlich der erste Tag für etwas, das es gar nicht gibt. Seine Daseinsberechtigung ist es, Anlass zu geben für Werbekampagnen wie den heute erschienenden offenen Brief von zweihundert “teilweise prominenten Künstlern” (herrlich: heise.de) an die Bundeskanzlerin. Der Brief ist Blödsinn vom ersten bis zum letzten Satz, ein Armutszeugnis für die Unterzeichnenden. Mich enttäuschen in der langen Liste speziell Wolfgang Rihm und Thomas Quasthoff.
Den am fettesten gedruckten Satz aus der Anzeige hier noch einmal zum LangsamaufderZungezergehenlassen:
Dahinter verbirgt sich die Erkenntnis, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft schon heute und vor allem in Zukunft Motor für Wachstum und Wohlstand ist.
Eines der Kernelemente unserer Gesellschaft, dass wir den Wert von Dingen nur noch am Zahlenwert vor dem Eurozeichen festmachen? Dass selbst Kultur heute Wirtschaft sein muss, um ernstgenommen zu werden? Den Satz “Musik ist Motor für Wachstum und Wohlstand” werde ich wohl trotzdem nicht oben in den Zitatemixer einfügen.
3. Mai 2008 um 20:52 Uhr
[...] Bass Blog [...]
6. Mai 2008 um 10:09 Uhr
Am geilsten finde ich ja, dass die Unterzeichner alles Leute sind, die mehr als genug Kohle verdienen. Worüber beschweren sich hier eigentlich Entertainment-Multimilionäre wie Lindenberg, Scooter und Geißendörfer? Eine Antipathie bringende Lachnummer ist das, mehr nicht.
6. Mai 2008 um 12:50 Uhr
Eben. Dazu kommt, dass gerade Quasthoff und Rihm, aber auch Typen wie Ralph Siegel, Lindenberg etc. mit ihren Aufnahmen mit Sicherheit nicht den Löwenanteil der angeblich 300 Millionen illegal heruntergeladenen Musikstücke ausmachen. Von Namen wie Alexander Klaws mal ganz zu schweigen.