Gleichheit der Chancen

Web 2.0 wäre ja auch keine richtige Revolution,
wenn sie ihre Kinder nicht fräße.

So schrieb Gerald Himmelein im Editorial der aktuellen c’t 02/08 und brachte mich damit auf die hervorragende Idee, Georg Büchners Dantons Tod noch einmal zu lesen. Der Text, der diesem wunderschönen Schlusssatz vorausging, handelt zum größten Teil von Weblogs und ist leider nicht ganz so schön. Oder auch nur zutreffend.

Brillenträger reden beim Thema Web 2.0 gern von Chancengleichheit und Basisdemokratie. Schöne Worte – schöner wäre nur noch, wenn sie irgendeinen Realitätsbezug hätten. Wie in der echten Welt können auch im Internet nur die Wenigsten vom Schreiben leben.

Es geht auch überhaupt nicht darum, davon leben zu können. Stefan Niggemeier schrieb in der taz so schön: »Manchmal scheint es, als sei den Journalisten, die gegen dieses Mitmachnetz anschreiben, schon die Motivation all dieser neuen Konkurrenten um Aufmerksamkeit suspekt: einfach zu glauben, etwas zu sagen zu haben, und es nicht für Geld, Auflage, Karriere oder den Verkauf von Werbeplätzen zu tun.«

Es geht darum, etwas zu sagen zu haben. Und die Chance dazu hat man im Web wesentlich eher als in klassischen Printmedien oder im Fernsehen. Ein kleines Weblog ist schnell erschaffen, das braucht nur wenig Zeit und Geld und praktisch keine technischen Vorkenntnisse. Jeder kann das. Deshalb Chancengleichheit. Dass Weblogs im Ergebnis höchst unterschiedliche Reichweiten haben, ist kein Argument dagegen. Kleines sportliches Beispiel: Beim Marathon hat zwar jeder Teilnehmer die Chance zu gewinnen, wenn allerdings tatsächlich alle Läufer gleichzeitig im Ziel eintreffen würden, wäre die ganze Veranstaltung sinnlos.

Gleichheit der Chancen bedeutet nicht, dass wir alle gleich sind. Ein Glück.

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5 Kommentare zu “Gleichheit der Chancen”

  1. ben_

    Ich weiß, dass Du es wahrscheinlich weißt, ABER: meine erster undwichtigster Vorsatz für’s neue Jahr: Meine Idee, unsere Idee vom Bloggen NIE WIEDER in die Dichotomie “Journalismus vs. Bloggen” drängen lassen.

    Am Anfang wäre ich nie darauf gekommen, dass Bloggen was mit Journalismus zu tu hat, geschweige denn, dass die sich streiten könnten. Wir verbauen uns unser eigenes Potential, wenn wir uns mit etwas so institutionalisertem, reaktionärem wie dem realexistierenden “Journalismus” vergleichen.

  2. Chris

    *zeigt auf G.H.* Er hat angefangen!!

    Dichotomie musste ich nachschlagen.

  3. Lena

    @_ben: Ich stehe mittlerweile total aufs “zentralistische bloggen”. Ein Blog, nicht viel mehr, und einfach raushauen, wenn man mag. Ich habe mehrfach Sachen angekündigt und es nie hinbekommen, an Blogs MITgeschrieben und es nie so hinbekommen, wie ich wollte (WM mal weggelassen). Schreiben beruht für mich zu 100% auf der Intuition des Momentes, inklusive Nachdenken im Moment des Schreibens. Da muss Herzblut rein und das geht nur dort, wo ich es am meisten empfinde.

    Generell ist es doch schön, mit einem Blog etwas sagen zu können. Ganz abseits jeder Diskussion, oder? (bin ich da zu idealistisch?) Was mich oft daran stört ist dieses “nebenher Kohle abgreifen”, was dazu führt, mehr über das wieso zu schreiben. Unwichtig eigentlich, oder?
    Das Sagen-Haben sollte sich doch ergeben, wenn man nicht ganz scheu ist?

  4. Chris

    Schreiben beruht für mich zu 100% auf der Intuition des Momentes, inklusive Nachdenken im Moment des Schreibens. Da muss Herzblut rein und das geht nur dort, wo ich es am meisten empfinde.

    Klingt für mich sehr nach anmutunddemut.de.

  5. Lena

    Ja. Logisch. So meinte ich das auch. Also Zentrierung auch dort. Hab mal wieder zu biel geschrieben, eigentlich hätte eine Zustimmung gereicht :)

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