Deutliche Worte
Eines der wesentlichen Spielziele von Onlinerollenspielen wie World of Warcraft ist es, seine Spielfigur mit der Zeit besser auszustatten, sie mächtiger werden zu lassen. Aus dem anfänglich tumben Bauernjungen einen gefeierten Helden zu basteln. Das kostet naturgemäß viel Zeit, schließlich möchte der Hersteller, dass man möglichst lange spielt und monatlich seine Gebühren überweist. Um zumindest gut betuchten Spielern die Sache zu erleichtern, gibt es im Dunstkreis der Onlinerollenspiele schon lange dubiose Firmen, die die Möglichkeit bieten, echte Währung gegen Geld im Spiel einzutauschen. Etwa 35 Euro zahlt man aktuell für 1000 Gold. Für viele Spieler völlig normal, so wirbt zumindest eine große deutsche WoW-Fanseite ganz offen für Real Money Trade.
Die große Frage hinter solchen Tauschgeschäften ist immer: Woher kommt das Gold, das man dort erwirbt? Wird es von sogenannten “Chinafarmern” erspielt, armen Schweinen, die für einen Hungerlohn zwölf Stunden am Tag World of Warcraft spielen und Gold sammeln? Wird es von Bots erspielt, also Programmen, die weitgehend automatisch WoW spielen, ohne die Anwesenheit eines Spielers an der Tastatur vorauszusetzen? Oder entsteht es durch Fehler im Spiel, die das “Dupen” von Gegenständen möglich machen, also eine Vervielfältigung oder sogar Erschaffung aus dem Nichts ohne viel Aufwand?
Blizzard hat nun zum ersten Mal in der Geschichte von World of Warcraft in deutlichen Worten auf die Gefahren des Real Money Trade hingewiesen und dabei unter anderem erläutert, woher das Gold in der Hauptsache stammt:
We regularly track the source of the gold these companies sell, and find that an alarmingly high amount comes from hacked accounts. These are the friends, relatives, and guildmates you may know who have gone through the experience of having characters, gold, and items stripped from them after visiting a website or opening a file containing a trojan virus. (Gold Selling: Effects and Consequences)
Kurz gesagt: Es wird anderen Spielern gestohlen. Mittels Trojanern, Keyloggern werden den Spielern die Zugangsdaten ihres Accounts entwendet, ihre Spielfiguren werden komplett ausgezogen und ihres Goldes beraubt. Auch in meiner WoW-Gilde gibt es zwei Spieler, deren Accounts gehackt wurden, die länger brauchten, um überhaupt erst wieder Zugang zum Spiel zu bekommen und ihre Charaktere dann ausgeraubt vorfanden.
Bei allen Diskussionen über die Auswirkungen von Goldkauf auf die Wirtschaftslage gesamter Server, die wir früher geführt haben, bei allem früheren Verständnis für Leute, die sich “halt einmal” Gold für ihr episches Flugreittier gekauft haben: Wer sich heute noch seine Euro gegen Spielgeld tauschen lässt, dem muss klar sein, dass er Firmen dafür bezahlt, andere Spieler zu bestehlen. Widerwärtigeres kann man als WoW-Spieler seinen Mitspielern eigentlich kaum antun.
29. März 2008 um 22:09 Uhr
Spiel doch Ogame! Koscht nix und man kann lustig den ganzen Tag die Planeten irgendwelcher Schüler überfallen und ihnen Rohstoffe klauen, weil die in der Schule sitzen und ihren Account nicht betreuen können ;)
Sehr lustig!