Prince of Persia
Bei allem Negativen, was man über das neue Prince of Persia sagen kann: Es hat mich mit seinem traumhaft inszenierten Finale gestern bis in die Morgenstunden an den Bildschirm gefesselt. Mit einem letzten, entscheidenden Dreh wird die bis dahin eher seichte Geschichte zu einem nachdenklich stimmenden Ende geführt, das wohl die wenigsten Spieler so werden kommen sehen, das gleichzeitig aber gekonnt den Bogen zurück zum Anfang schlägt.
Wie man die zehn Stunden vor diesem Finale einschätzt, dürfte allerdings erheblich von der eigenen Erwartungshaltung abhängen. Das neue Prince of Persia ist viel eher ein interaktiver Film als ein Spiel im Sinne seiner Vorgänger. Selbst gewagteste Kletterpassagen erfordern relativ wenige, jederzeit offensichtliche Tastendrücke, die dazu noch nicht einmal sonderlich präzise ausgeführt werden müssen. Die Kämpfe gegen die Schergen der Dunkelheit sind wenig mehr als überlange Reaktionstests. Oh Gott, der böse Bube holt mit seinem Schwert aus! Die Kamera geht in den Zeitlupenmodus und ein grün blinkendes Symbol am unteren Bildschirmrand signalisiert, dass es jetzt eine gute Idee wäre, mit Hilfe des grünen Knopfes auf dem Gamepad zur Seite zu springen. Keine Panik, dafür hat man locker ein bis zwei Sekunden Zeit, und selbst wenn man den Moment verpasst: Sterben kann man nicht. Prinzessin Elika, die wir auf ihrer Reise begleiten, rettet uns mittels Magie auch aus den brenzligsten Situationen.

Dass das alles erstaunlicherweise trotzdem jede Menge Spaß macht, liegt an der hervorragenden Inszenierung. Der Flow entsteht durch die rasante Geschwindigkeit, mit der wir bei unseren waghalsigen Kletterpartien durch märchenhafte Traumlandschaften fliegen sowie durch die dramaturgisch sehr gut in Szene gesetzten Kämpfe. Das alles entfaltet seine Wirkung aber auch, wenn man gar nicht selbst spielt, sondern nur zuschaut.
Das gilt auch für das eigentliche Herz des Spiels, die Beziehung zwischen Elika und unserem Helden. Schon beim Kämpfen und Klettern harmonieren die Beiden ausgezeichnet: Ubisoft ist hier das Kunststück gelungen, Elika dem Spieler wirklich durchgehend eine Hilfe sein zu lassen, die ihn niemals, in keiner Situation, behindert oder ihm im Wege herumsteht. Die Beiden passen zusammen, und die Dialoge und Zwischensequenzen unterstreichen das. Mal funkt es und mal fliegen die Fetzen in den größtenteils kurzweilig und humorvoll geschriebenen Texten, die Dank guter Sprecher in der deutschen Synchronfassung fast noch besser funktionieren als im Original. Sie täuschen geschickt darüber hinweg, dass aufgrund des nonlinear angelegten Mittelteils des Spiels über lange Zeit prinzipbedingt keine große Charakterentwicklung stattfinden kann, wie auch darüber, dass die gesamte Geschichte des Spiels bis kurz vorm Finale eigentlich nur mäßig spannend daherkommt.
Insgesamt legt der neue Prince of Persia mir etwas zu wenig Wert auf das Spiel hinter der Kulisse, beeindruckt aber mit seinem Stil und seiner Optik. Bei all den Anleihen bei ICO und Shadow of the Colossus nicht unbedingt ein Wunder, das sind schließlich nicht die schlechtesten Vorbilder.