Spore und sein Kopierschutz
Wer derzeit plant, Spore über Amazon.de zu kaufen, dürfte bei einem Blick auf die Kundenbewertungen des Spiels stutzig werden: lediglich anderthalb von möglichen fünf Punkten bekommt das Spiel. Mal ehrlich, so schlecht ist Will Wrights digitale Galaxie nun auch wieder nicht. Was führt also zu dieser bedenklichen Bewertung? SecuROM, der von Electronic Arts für Spore und Mass Effect verwendete Kopierschutz. Wenn man eines der beiden Spiele auf seinen heimischen PC lässt, verwundert die Einschätzung der Amazon-Kunden trotzdem erst einmal: davon, dass SecuROM installiert wird, bekommt man praktisch nichts mit. Das Spiel wird installiert, beim ersten Start über das Internet aktiviert und anschließend darf die DVD samt Verpackung im Regal verschwinden. Endlich müssen nicht mehr, wie zu schlimmsten StarForce-Zeiten, Treiber installiert werden, die einen Neustart des Systems erfordern. Endlich muss die Spiele-DVD während des Programmstarts nicht mehr im Laufwerk liegen. Wer mehrere Spiele gleichzeitig auf der Festplatte hat, müsste es doch eigentlich zu schätzen wissen, nicht mehr ständig zum Discjockey zu mutieren.
Wo ist also der Knackpunkt?
Die Online-Aktivierung von SecuROM funktioniert nicht unbegrenzt oft, sondern im Falle von Spore und Mass Effect nur ganze drei Mal. Erwähnt wird das weder auf der jeweiligen Verpackung noch im Handbuch, sondern nur auf den Webseiten der genannten Spiele. Entsprechende Unklarheit herrscht bei den Kunden darüber, was diese Einschränkung überhaupt bedeutet. Bei Amazon ist vielfach die Rede davon, Spore könne insgesamt nur drei Mal installiert werden, doch zutreffend ist das nicht.
SecuROM wird mit dem jeweiligen Spiel installiert, allerdings nicht wieder vom Computer entfernt, wenn man das Spiel deinstallieren sollte. Die Daten über die bisher erfolgten Aktivierungen verbleiben auf dem Rechner, im Falle von Windows Vista im Unterverzeichnis Benutzer\%Benutzername%\AppData\Roaming\SecuROM, also in einem Ordner, den man, wenn man denn regelmäßige Backups seines Computers anlegt, sowieso mit sichern sollte. Daraus folgt, dass Spore-Neuinstallationen auf ein- und demselben, unveränderten Rechner prinzipiell unbegrenzt oft möglich sind, weil zwar eine erneute Online-Authentifizierung beim EA-Server, aber keine erneute Aktivierung erforderlich ist.
Darüber hinaus kann man sagen, dass mit Sicherheit eine neue Aktivierung fällig wird, wenn man sich einen neuen Computer kauft. Das weite Land zwischen diesen beiden Extremfällen ist allerdings weitestgehend unaufgeklärt. Nicht einmal eine heute von EA veröffentlichte FAQ schafft da wirklich Abhilfe:
F: Muss ich das Spiel nach dem ersten Start erneut authentifizieren?
A: Du musst das Spiel nur erneut authentifizieren, wenn du größere Veränderungen an der Hardware deines PCs vornimmst, deine Festplatte neu formatierst oder manchmal auch, wenn du auf eine höhere Version deines Betriebssystems wechselst. Mehrfache Installationen des Spiels auf demselben Rechner werden nicht von der Gesamtanzahl an Computern, auf denen du es installieren kannst, abgezogen.
Hey, wer hat da gerufen, die Aussage des letzten Satzes würde dem Rest des Absatzes widersprechen? Das könnte man so deuten, allerdings nur, weil der schwammig formulierte Frage-und-Antwort-Bogen überhaupt keine Unterscheidung trifft zwischen den höchstens drei gestatteten Aktivierungen und dem Authentifizierungsvorgang als solches. Wenn ich nun die Festplatte neu formatiere, Windows neu installiere, dereinst auf den Nachfolger von Vista umsteigen oder meinen Rechner aufrüsten werde: Wie lange gilt mein Computer in den Augen von SecuROM noch als “derselbe Rechner”?
“Kunden für dumm verkaufen” für Anfänger
Letztendlich ist es die Unsicherheit darüber, wie oft und zu welchen Bedingungen ich das von mir bezahlte Vollpreisspiel erneut installieren kann, die die Kunden gegen SecuROM auf die Barrikaden treibt. Da nützt auch EAs Vergleich von SecuROM mit den DRM-Maßnahmen der Musikindustrie wenig: in Apples iTunes kann ich jederzeit nachprüfen, wie viele Computer ich zum Abspielen meiner gekauften Musik aktiviert habe, ich kann die Computer auch wieder deaktivieren und – noch wichtiger! – falls ich einmal durch Unachtsamkeit alle fünf Aktivierungen aufgebraucht haben sollte, kann ich mit einem einfachen Knopfdruck alle bisher getätigten Aktivierungen rückgängig machen. Letzteres funktioniert zwar nur einmal pro Jahr, aber das reicht ja schon, um mir die Sicherheit zu geben, meine im iTMS gekaufte Musik auch in zehn Jahren noch hören zu können.
Die Sicherheit, Spore noch in zehn Jahren spielen zu können, habe ich trotz des Verkaufspreises von 60 Euro nicht. Weil ich als Benutzer von EAs Software nirgendwo die Möglichkeit habe, einzusehen, wieviele Aktivierungen ich schon verbraucht habe. Ich kann Aktivierungen nirgends zurücksetzen. Falls sich das Spiel nicht mehr installieren lässt, bekomme ich vom kostenpflichtigen(!) EA-Support vielleicht(!) eine(!) weitere Aktivierung zugestanden. Wenn ich nett bin und die Notwendigkeit einer weiteren Aktivierung plausibel erklären kann.
Und gegen wen richten sich diese drakonischen Maßnahmen? Nicht in erster Linie gegen Raubkopierer. Spore ist längst gecrackt im Internet verfügbar. Die Online-Aktivierung ist insbesondere ein Schlag gegen den Handel mit Gebrauchtspielen. Die sind dem Publisher ein Dorn im Auge, weil er am Weiterverkauf einmal bezahlter Spiele nichts mehr verdienen kann. Spore an Freunde zu verleihen, dürfte so gut wie unmöglich sein, denn das verbraucht unumgänglich mindestens eine meiner kläglichen drei Aktivierungen. Spore gebraucht im Internet zu kaufen, würde von geradezu unfassbarer Naivität zeugen, denn bevor ich das bezahlte Paket in Händen halte, kann ich nicht sicher sein, dass der Vorbesitzer auch nur eine einzige der drei Aktivierungen übrig gelassen hat. Hat er das nicht, habe ich viel Geld für eine Produktverpackung bezahlt, ohne das enthaltene Spiel spielen zu können.
Auf diese Weise wird ein Schuh daraus, seine Kunden bewußt über die genauen Modalitäten des Kopierschutzes im Unklaren zu lassen. Wir bekommen das Zuckerbrot des Spielstarts ohne DVD im Laufwerk in der Hoffung, dass wir die Peitsche der Onlineaktivierung kaum spüren werden. Eine Reihe von Kunden hat sie dennoch gespürt und ihrem Unmut darüber bei Amazon Ausdruck verliehen. Meiner Meinung nach zu Recht.
11. September 2008 um 21:49 Uhr
Bin ich eigentlich der einzige, der auf seinem Mac keine Probleme mit diesem ganzen Kopierschutzkram hat? Bei mir gab es keine Aktivierung, dafür muss immer schön brav die DVD im Laufwerk liegen.
11. September 2008 um 22:31 Uhr
Die Mac-User sind vermutlich in der Unterzahl. :)
Trotzdem interessante Einsicht: dann könnte ich also zusätzlich zu den drei gestatteten Aktivierungen auf Windows-Rechnern Spore noch ganz normal per DVD-im-Laufwerk-Kopierschutz auf dem Mac laufen lassen? Wie inkonsequent.
Dieser ganze Kopierschutz-Irrsinn rund um dieses Spiel ist einfach nur beknackt. Immer wenn man denkt, bescheuerter gehts nicht mehr, setzen die noch eins drauf.
19. Dezember 2008 um 14:46 Uhr
[...] – schwupp di wupp – mal schnell die Anzahl der möglichen Aktivierungen reduzieren. Obwohl EA Games das eigentlich gaaaanz anders sieht. Die Realität ist wohl in den EA Games Headquarters eine andere… muss ein Riss in der [...]
7. Mai 2009 um 18:50 Uhr
Also ehrlich :\ ich habe das Spiel meinen beiden Brüdern gegeben , nu hab ich den Salat. Jetzt hab ich ein Problem und muss anscheinend mein Spiel neu installieren , und kann das nicht weil ich meine Brüder so mag :( Ich HASSE EA! AB JETZT!
erstmal bekommen die ASSIS was im Forum zu hören!
und Ab dafür!
8. Oktober 2009 um 21:23 Uhr
Freut mich, das so zu lesen. Könnte fast von mir sein.
8. Januar 2011 um 20:52 Uhr
ich bin nicht naiv, ich hab janoch nicht geklickt!
1. November 2011 um 13:22 Uhr
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