Wrath of the Lich King

wowscrnshot_111608_015038.jpg

Ein wunderbares Wochenende in Nordend liegt hinter mir. Die neuen Landschaften, die Siedlungen und Orte, die neuen Geschichten und handelnden Personen in der Boreanischen Tundra, das alles finde ich so herrlich, dass ich aus dem Staunen nicht mehr heraus und vom Computer kaum mehr los komme. Die rauen Lebensbedingungen in den Nordlanden und die ständige Gefahr durch die Wiederkehr des Lichkönigs liegen thematisch deutlich näher am ursprünglichen World of Warcraft als das erste Erweiterungspack The Burning Crusade und vor allem: die deutlich dezentere Farbgebung schmerzt nicht mehr so in den Augen wie die teils ausgesprochen grell inszenierte Scherbenwelt.

Dania hat sich von Heilzaubern zwischenzeitlich verabschiedet und kämpft sich als Raubkatze ihren Weg frei. Die alte Heilausrüstung konnte sie deshalb verdammt schnell durch Neuanschaffungen ersetzen, zumal ich The Burning Crusade damals kaum drei Monate ernsthaft gespielt habe und Danias bisherige Ausrüstung deshalb von vorneherein äußerst mittelmäßig war. Interessanterweise wirkt meine Druidin in ihrer erdfarbenen Kleidung deshalb schon nach zwei Stunden viel nordländischer als die Figuren der anderen Spieler um mich herum, die aus The Burning Crusade deutlich bessere Waffen und Rüstungen mitbringen, deren glänzender, kristalliner Look in Nordend aber eher deplatziert wirkt.

Abgesehen davon kann Dania in der Tundra ihren druidischen Neigungen auch endlich einmal vollends nachgehen: Die elfische Tierschutzorganisation D.E.H.T.A. bemüht sich hier nämlich um Mitglieder, was bedeutet, dass man, statt erneut Wildtiere wie im Schlingendorntal oder in Nagrand niederzumetzeln, diesmal die einheimische Fauna beschützt, indem man Massen an Wilderern umnietet. Wievielen Spielern dabei wohl aufgeht, dass die von ihnen verfolgten “beutegierigen Wilderer” perfekte Repräsentationen ihres eigenen Verhaltens sind? Herrlich selbstironischer Verweis. Ich bin gespannt, wie sich dieser Handlungsstrang weiterentwickelt, denn schließlich ist Hemet Nesingwary, der Meisterjäger, inzwischen in Nordend eingetroffen.

Verblüffend finde ich immer wieder, welche Bindung man selbst nach relativ langer Pause noch zu seinen gespielten Charakteren, in meinem Falle zu Dania, hat. Sicher ist das eine schlichte Zeitfrage: Während Kinofilme selten länger als drei Stunden dauern und man nur für wenige Bücher mehr als ein oder zwei Dutzend Stunden aufwenden muss, verschlingt ein Rollenspiel wie Baldur’s Gate II problemlos zweihundert Stunden. Und das ist immer noch nichts im Vergleich zu den 1.800 Stunden, die ich mit Dania in den vergangenen fünf Jahren in World of Warcraft verbracht habe. Dazu kommt dann noch die Interaktivität, der Freiraum im Handeln, den man in anderen Medien einfach nicht hat. Letzten Endes ist Dania dadurch nicht einfach nur Spielfigur, sondern daneben und gleichzeitig auch alte Bekannte und ein kleiner Teil meiner Selbst.

Kommentiere: