Raus mit den Daten
28. Februar 2008Weil es bei SpOn viel zu schnell in den unteren Bereichen der Startseite verschwunden ist: Das Interview mit StudiVZ-Geschäftsführer Markus Riecke ist überaus lesenswert. Besonders die Abschnitte zum Datenschutz.
Riecke: … Das Telemediengesetz verbietet uns, ohne Zustimmung der Nutzer Nutzungsdaten zu speichern. So hat der BGH vorigen Herbst entschieden. Die Kripo- und LKA-Beamten verlangen aber genau diese Daten von uns, die wir laut Datenschützern nicht speichern dürfen. Deshalb haben wir die Nutzer der Speicherung der Nutzungsdaten zustimmen lassen.
SPIEGEL ONLINE: Konkret: Zu Ihnen kommt ein Staatsanwalt mit 30 Fotos aus StudiVZ-Profilen, die Leute anscheinend beim Kiffen zeigen. Er verlangt Klarnamen zu den Profilen und allen Kommentaren. Was machen Sie?
Riecke: Gott sei Dank dürfen wir bei Ermittlungsersuchen solche Daten nun herausgeben.
Zugegeben, die Fragestellung ist hinterhältig. Es gibt, wie man als Reaktion im StudiVZ-Blog Klartext schreibt, genügend Fälle, in denen die Herausgabe von Daten an Ermittlungsbehörden sinnvoll und notwendig ist. Cannabiskonsum gehört allerdings nicht dazu. Klartext schreibt deshalb:
Dass wir Bilder und Daten an die Polizei geben, weil Ihr Euch darauf ein Tütchen ansteckt, ist komplett erfunden und gelogen.
Erlogen hat es allerdings nicht SpON, sondern der eigene Geschäftsführer, der sich öffentlich gefreut hat, dank der neuen Datenschutzvereinbarung Nutzerdaten unreflektiert an Ermittlungsbehörden weiterreichen zu können, selbst wenn keine Straftat vorliegt, obwohl er eben gerade dank der neuen Datenschutzvereinbarung solche Daten nur herausgeben darf, “wenn und soweit dies erforderlich ist zur Abwehr von Gefahren für die staatliche und öffentliche Sicherheit sowie zur Verfolgung von Straftaten.” (StudiVZ)
“Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie sauer wir über diese Art der Berichterstattung sind.” (Klartext)
Doch, kann ich. Mich ärgern die eigenen Dummheiten auch immer am meisten.