Orchestermusiker entdecken Weblogs
13. Februar 2008“Das Orchester” ist eine Zeitschrift für Orchesterkultur, die man als Musiker und Gewerkschaftsmitglied quasi automatisch bezieht, die wegen der Stellenanzeigen überwiegend von Musikstudenten konsumiert wird und die praktisch alles enthält, was für Orchestermusiker irgendwie von Interesse sein könnte. Von Interesse sind seit der aktuellen Ausgabe auch Weblogs.
Wie kommts? Durch das Blog Orchestermusikerin – Über das Leben mit der brotlosen Kunst… , in dem eine Trompeterin seit etwa einem Jahr über ihr Leben im Orchestergraben berichtet. Gretchens humorvoll geschriebene Berichte lese ich schon seit geraumer Zeit sehr gerne, denn irgendwie enthalten sie immer einen wahren Kern, auch wenn sie teilweise fiktional oder zumindest geschickt ausgeschmückt sind. So wie ich meinen Berufsstand kenne, sind wahrscheinlich gerade die beklopptesten Geschichten diejenigen, die sich tatsächlich so zugetragen haben.
Ein bisschen neidisch bin ich zugegebenermaßen, tut Gretchen in ihrem Blog doch gerade das, was ich hier im Bass-Blog auch gerne tun würde. Nur ist “Gretchen” eben ein Pseudonym. Wer weiß, in welchem Orchester sie tatsächlich spielt und welche ihrer Geschichten stimmen und welche nicht? Würde ich in größerem Stile Anekdoten aus meinem Berufsleben berichten, wäre erstens sowieso immer klar, dass sie aus dem Gewandhausorchester stammen, und anhand unserer Spielpläne und zeitlicher Zusammenhänge könnte man allzu oft als Besucher auch rekonstruieren, über welchen Dirigenten, Solisten oder Komponisten gerade gelästert wird. Nicht gut. Dabei pflegt das Gewandhausorchester durchaus einen eigenen, rauen und etwas bissigen Humor, der manchmal der Konservierung wert wäre. Wenn mal wieder über einen altersschwachen Dirigenten Kommentare der Marke “Der hat Stonehenge noch ohne Steine gesehen” fallen, wird das aber auch in Zukunft wohl eher nicht hier zu lesen sein. Es sei denn, jemandem von euch fällt eine elegante Lösung für dieses Dilemma ein.
Wie dem auch sei, Rüdiger Behschmitts kompletten Bericht unter dem Titel Orchestermusiker? – LOL! gibts auch online.