Eine Bank und ein Hundehaufen
Wer regelmäßig bei heise.de vorbeiliest, kennt die Geschichte wahrscheinlich schon: Mitte Dezember besuchte Eva Herre mit ihrer dreijährigen Tochter eine Filiale der Stuttgarter Volksbank, um Geld abzuheben. Beim Verlassen der Bank bemerkte sie laut Stuttgarter Zeitung, dass ihre Tochter offenbar “ins Glück” getreten war und entsprechende Fußspuren in der Bank hinterlassen hatte. Wegen eines Arzttermines unter Zeitdruck, verließ die Mutter die Filiale, ohne an einem der Bankschalter auf die Verschmutzung hinzuweisen, denn “meine Tochter wäre mir mit Sicherheit hinterhergelaufen und hätte auch noch Abdrücke auf dem Teppich hinterlassen.”
So weit, so gewöhnlich. Unglaublich ist erst, was daraufhin bei der Bank passiert: Man greift auf die Videoaufzeichnungen der Sicherheitskameras – die eigentlich ausschließlich zur Verfolgung von Straftaten dienen sollten – zurück und ermittelt anhand der Aufzeichnungen des Geldautomaten und der eigenen Kundendaten Name und Anschrift der Kundin. Anschließend sendet man ihr eine Rechnung in Höhe von 52,96 Euro über “eine Stunde Arbeitszeit Meister/Obermonteur” zur Beseitigung “einer fäkalen Verunreinigung”. Eine Reinigungskraft, die zur Beseitigung dieses kleinen Maleurs eine geschlagene Stunde benötigt, halte ich mit 52,96 Euro ja für etwas überbezahlt. Gerechtfertigt wird der ganze Aufwand mit der Erklärung, es handele sich um Sachbeschädigung. Es sei keineswegs Hundekot von außen hereingetragen worden, sondern es gehe um eine “massive Verunreinigung durch das Kind”. Das sei auf den Videoaufzeichnungen klar zu erkennen und die Mutter hätte auch bemerkt, dass sich das Kind erleichtert habe.
Die Bank sieht in ihrem Verfahren “grundsätzlich kein Problem”, wohl aber die Baden-Württembergische Aufsichtsbehörde für Datenschutz, die “die Praxis der Bank” nun “grundsätzlich überprüfen” will. Bei mir wandert der Fall wohl in die Lesezeichen, als schönes Ansichtsexemplar für jene, die auf die immer neuen Totalüberwachungsideen eines Wolfgang Schäuble – gegen die die seit Jahren praktizierte Videoüberwachung in Banken ja geradezu harmlos ist – grundsätzlich mit einem Schulterzucken und dem Spruch “Wir haben ja nichts zu verbergen” reagieren. Sind Datenbestände erst einmal angelegt, können sie auch missbraucht werden.